Schermbeck 1945 – Teil V –

von Hermann Lewerenz Wesel, Oktober 2007

Ab und zu ergatterten wir Kinder von den „Boys“ so eine Feldration, da war Kaffee drin ! War das ein Genuss für die Mütter; der wurde zwar dünn aufgebrüht, aber ich kann mich noch an die verzückten Mienen erinnern. Am besten war ja wohl der Duft des aufgebrühten Stoffs.

Am 8. Mai war Waffenstillstand. Seltsamerweise war die Nachricht schnell rum, ohne Radio, ohne Zeitung. Und Telefon hatte eh keiner, nur die Reichen, aber da war keine Leitung heil und die „Fräuleins vom Amt“ auch noch nicht im Dienst.

Ich vergass zu erwähnen, daß wir ab Februar bis März keinen Strom mehr hatten, nur ein paar müde Funzeln, gefüttert mit Petroleum. Kerzen waren auch da , meist die Hindenburglichter, vergleichbar mit den heutigen Teelichtern. Mutti machte aus Bienenwachs auch Kerzen. Die rochen richtig gut. Wasser vom Werk (Ziegelei) war auch irgendwann nicht mehr da. Wir holten es uns von den Pumpen auf den Wiesen, Viehtränken, oft sehr eisenhaltig in großen 30 l Kannen die Vater noch vor seinem letzten Fronteinsatz besorgt hatte. Ging auch. Wie ? Keine Ahnung ! Das bei der mangelhaften Hygiene nicht mehr Leute krank wurden ?

Von einem auf den anderen Moment war kein Gedröhn mehr zu vernehmen. Gespenstig, diese Stille nach 8 Wochen des Dauerdonners. War der 8. oder 9. Mai wohl.

Heute sah ich den Film „Die Brücke von Remagen“. Da kam es wieder, die Erinnerungen, die Bilder, der harsche Befehlston der Offiziere gegenüber den einfachen Leuten, die Schikanen wegen irgendwelcher kleiner Sachen, die Bestrafungen, die beinahe Exekutionen. War schon ganz schön hart. Und da kamen die Gerüche wieder, der Duft der Feldküchen, das Schlachten von Kälbern und Schweinen. Und wir Jungs natürlich trotz des Verbotes unsrer Mütter mitten drin. Sicher werde ich auch vieles verdrängt haben oder einfach psychisch zugeschüttet. Ist wohl auch besser so. Mein Wunsch an meine und eigentlich alle Nachkommen so ein Grauen nie zu erleben. Wie schon gesagt …

Da war noch was, aber wo ist es geblieben ? Ach ja, eine Mutter mit Kinderwagen, im Frühjahr 45, hatte einen weißen Mantel an ! Ein Wahnsinn, sie konnte natürlich von den Jabos nicht übersehen werden. Auf der heutigen B 58, oder galt der Angriff den Wehrmachtsfahrzeugen die dort ständig unterwegs waren ?

Bei uns war ein Gleis der Werksbahn, die auch von der Armee genutzt wurde. Da kamen dann die Tankwagen vom damals noch bestehenden Bahnhof her, die dann bei uns umgefüllt wurden in Fässer und Kanister. Es roch immer nach Benzin, das da nichts passiert ist, deucht mir heute noch ein Wunder. Die Fässer wurden dann mit Lkw´s nach Lembeck gefahrenzu einem Depot. Mein Bruder durfte immer mitfahren, meist als „Looky Lucky“ auf dem Beobachtungsplatz auf dem Kotflügel, wo ein Sitz angebracht war. Hat unsere Muter was gemerkt ? Sicher wohl, doch erinnere ich mich nicht an eine Bestrafung.

Was kommt denn noch ? Ja natürlich, da war eine Vierlingsflak zur Fliegerabwehr neben unserem Haus. Wie oft davon geschossen wurde ? Keine Ahnung. Wir Knaben waren heiß auf die Kartuschen (Hülsen) aus Messing, glänzten sie doch so schön. Aber die mußten ja wieder recycelt werden. Das gehörte wie so manches zur Wiederverwertung von Rohstoffen wie Glas, Papier, Alteisen etc. . Ist also keine so neue Einrichtung.

– wird fortgesetzt –

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