Schermbeck – Teil VI –

von Hermann Lewerenz Wesel, Oktober 2007

Eine Reperatur-Abteilung für LKW´s war auch auf dem Schützenplatz (Vogelrute), ein idealer Spielplatz für uns Knaben.

All diese Einrichtungen waren mit Tarnnetzen versehen, die waren aber von oben wohl mehr oder weniger durchlässig wie ein Bruder Mutter´s mal sagte, der bei der Aufklärer Abteilung der Luftwaffe als „Flugzeug-Führer“ wie die Piloten hießen war. Zweimal ist er im Ärmelkanal „in den Bach gefallen“.

Schaun wir mal wie es weitergeht mit den „Memos“

Von F. Stricker aus Schermbeck weiß ich noch, das entlang der heutigen B 58 auf einem 500 mtr. breiten Streifen beidseitig kurzfristig alle Einwohner evakuiert oder weggeschickt wurden. Man wollte wohl keine Massaker mehr riskieren, waren doch schon Millionen Opfer zu beklagen.

Ziemlich früh wurde, so ich hörte, die Verwaltung in Gang gesetzt. Und zwar von Fachleuten auf deutscher und amerikanischer Seite, ohne die Kommunisten und irgendwelchen Gepöbels, daß sich nun überall vordrängte. So kam es zu einer, wenn auch dürftigen, Versorgung der Bürger mit den nötigsten Grundnahrungsmitteln.

Verpackungsmaterial für Getreideprodukte und Salz und Zucker war sehr knapp. Mutter hatte aus irgendwelchen Textilien so Säckchen genäht so für 1-2 kg Ware. Diese wurde denn aus großen Behältern und Säcken sorgfälltig gefüllt und abgewogen. Die Lebensmittelkarten hatte man immer parat. Manchmal herrschte aber Mangel, der wer weiß wie überbrückt wurde. Wie stark mußte der Lebenswille der ausgehungerten Leute gewesen sein. Was man alles so essen konnte war schon erstaunlich. Brennesseln als Spinat, Dreifuss auch, Tee wurde aus Himbeer/Brombeer und Lindenblättern (getrocknet) aufgebrüht. Heißt wohl nicht umsonst „Not macht erfinderisch“. Vieles ist vergessen und verschüttet. Der Tauschhandel blühte und der wie wir einen großen Garten hatte, war ganz gut dabei wenn zumeist noch Obstbäume und Sträucher dabei waren. Jedes freie Stück Erde wurde urbar gemacht. Aber wo kamen die Saaten her ? Irgend jemand hatte immer was.

Ein kaffeeähnliches Gebräu wurde von Roggen hergestellt, der in einer großen Wanne geröstet wurde. Das ganze Haus roch danach, noch Tage danach. Wer noch eine Kaffeemühle hatte konnte von Glück sagen …

Ende

———-

 

Hier enden Hermanns Aufzeichnungen.

Was soll ich sagen ?

Danke Hermann !

Auch wenn wir uns in früheren Tagen doch schon das ein oder andere Male ausgiebig über dieses Thema unterhielten wenn es Deine Zeit zuließ, so hast Du mir mit deinen Aufzeichnungen eine große Freude gemacht. Es war mir ein Vergnügen die Seiten abzuschreiben und zu veröffentlichen.

Und ich hoffe sehr das der ein oder andere Leser ebenfalls mit Interesse Deine Erlebnisse und Erinnerungen verfolgt hat.

Eines hat deine Geschichte, wie die so vieler Menschen aus dieser Zeit zumindest wieder bei mir ausgelöst.

Meine und unser vieler Hoffnung, so einen Dreck nie miterleben zu müssen !

Joerg

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.