Vor 65 Jahren

24.03.1945  – Die Luftlandung und der Rheinübergang begannen um Deutschland endlich vom Kriege und den Nazis zu befreien.

In der heutigen Print- und Onlineausgabe kann man dazu hier den Bericht darüber lesen.

Am Samstag findet zur  Erinnerung an die Ereignisse eine nachgestellte Luftlandung im Raume Rees-Bienen statt.

Zwischen 14 und 16 Uhr werden deutsche, britische und amerikanische Fallschirmspringer über Rees abspringen und auf einem Feld an der Speldroper Straße landen. Dieser Ort wurde mit bedacht gewählt, im Raum Hamminkeln an der alten Absprungzone gibt es zuviele Strommasten, die Gefahr wäre  zu gross.

Mit dabei sind u.a. Springer der 507. US Luftlandedivision, die schon damals Einheiten hier absetzen.

Am Abend wird es noch einen Gottesdienst in Hamminkeln geben.

Fotos und ein Bericht folgen ….

Schermbeck – Teil VI –

von Hermann Lewerenz Wesel, Oktober 2007

Eine Reperatur-Abteilung für LKW´s war auch auf dem Schützenplatz (Vogelrute), ein idealer Spielplatz für uns Knaben.

All diese Einrichtungen waren mit Tarnnetzen versehen, die waren aber von oben wohl mehr oder weniger durchlässig wie ein Bruder Mutter´s mal sagte, der bei der Aufklärer Abteilung der Luftwaffe als „Flugzeug-Führer“ wie die Piloten hießen war. Zweimal ist er im Ärmelkanal „in den Bach gefallen“.

Schaun wir mal wie es weitergeht mit den „Memos“

Von F. Stricker aus Schermbeck weiß ich noch, das entlang der heutigen B 58 auf einem 500 mtr. breiten Streifen beidseitig kurzfristig alle Einwohner evakuiert oder weggeschickt wurden. Man wollte wohl keine Massaker mehr riskieren, waren doch schon Millionen Opfer zu beklagen.

Ziemlich früh wurde, so ich hörte, die Verwaltung in Gang gesetzt. Und zwar von Fachleuten auf deutscher und amerikanischer Seite, ohne die Kommunisten und irgendwelchen Gepöbels, daß sich nun überall vordrängte. So kam es zu einer, wenn auch dürftigen, Versorgung der Bürger mit den nötigsten Grundnahrungsmitteln.

Verpackungsmaterial für Getreideprodukte und Salz und Zucker war sehr knapp. Mutter hatte aus irgendwelchen Textilien so Säckchen genäht so für 1-2 kg Ware. Diese wurde denn aus großen Behältern und Säcken sorgfälltig gefüllt und abgewogen. Die Lebensmittelkarten hatte man immer parat. Manchmal herrschte aber Mangel, der wer weiß wie überbrückt wurde. Wie stark mußte der Lebenswille der ausgehungerten Leute gewesen sein. Was man alles so essen konnte war schon erstaunlich. Brennesseln als Spinat, Dreifuss auch, Tee wurde aus Himbeer/Brombeer und Lindenblättern (getrocknet) aufgebrüht. Heißt wohl nicht umsonst „Not macht erfinderisch“. Vieles ist vergessen und verschüttet. Der Tauschhandel blühte und der wie wir einen großen Garten hatte, war ganz gut dabei wenn zumeist noch Obstbäume und Sträucher dabei waren. Jedes freie Stück Erde wurde urbar gemacht. Aber wo kamen die Saaten her ? Irgend jemand hatte immer was.

Ein kaffeeähnliches Gebräu wurde von Roggen hergestellt, der in einer großen Wanne geröstet wurde. Das ganze Haus roch danach, noch Tage danach. Wer noch eine Kaffeemühle hatte konnte von Glück sagen …

Ende

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Hier enden Hermanns Aufzeichnungen.

Was soll ich sagen ?

Danke Hermann !

Auch wenn wir uns in früheren Tagen doch schon das ein oder andere Male ausgiebig über dieses Thema unterhielten wenn es Deine Zeit zuließ, so hast Du mir mit deinen Aufzeichnungen eine große Freude gemacht. Es war mir ein Vergnügen die Seiten abzuschreiben und zu veröffentlichen.

Und ich hoffe sehr das der ein oder andere Leser ebenfalls mit Interesse Deine Erlebnisse und Erinnerungen verfolgt hat.

Eines hat deine Geschichte, wie die so vieler Menschen aus dieser Zeit zumindest wieder bei mir ausgelöst.

Meine und unser vieler Hoffnung, so einen Dreck nie miterleben zu müssen !

Joerg

 

 

Schermbeck 1945 – Teil V –

von Hermann Lewerenz Wesel, Oktober 2007

Ab und zu ergatterten wir Kinder von den „Boys“ so eine Feldration, da war Kaffee drin ! War das ein Genuss für die Mütter; der wurde zwar dünn aufgebrüht, aber ich kann mich noch an die verzückten Mienen erinnern. Am besten war ja wohl der Duft des aufgebrühten Stoffs.

Am 8. Mai war Waffenstillstand. Seltsamerweise war die Nachricht schnell rum, ohne Radio, ohne Zeitung. Und Telefon hatte eh keiner, nur die Reichen, aber da war keine Leitung heil und die „Fräuleins vom Amt“ auch noch nicht im Dienst.

Ich vergass zu erwähnen, daß wir ab Februar bis März keinen Strom mehr hatten, nur ein paar müde Funzeln, gefüttert mit Petroleum. Kerzen waren auch da , meist die Hindenburglichter, vergleichbar mit den heutigen Teelichtern. Mutti machte aus Bienenwachs auch Kerzen. Die rochen richtig gut. Wasser vom Werk (Ziegelei) war auch irgendwann nicht mehr da. Wir holten es uns von den Pumpen auf den Wiesen, Viehtränken, oft sehr eisenhaltig in großen 30 l Kannen die Vater noch vor seinem letzten Fronteinsatz besorgt hatte. Ging auch. Wie ? Keine Ahnung ! Das bei der mangelhaften Hygiene nicht mehr Leute krank wurden ?

Von einem auf den anderen Moment war kein Gedröhn mehr zu vernehmen. Gespenstig, diese Stille nach 8 Wochen des Dauerdonners. War der 8. oder 9. Mai wohl.

Heute sah ich den Film „Die Brücke von Remagen“. Da kam es wieder, die Erinnerungen, die Bilder, der harsche Befehlston der Offiziere gegenüber den einfachen Leuten, die Schikanen wegen irgendwelcher kleiner Sachen, die Bestrafungen, die beinahe Exekutionen. War schon ganz schön hart. Und da kamen die Gerüche wieder, der Duft der Feldküchen, das Schlachten von Kälbern und Schweinen. Und wir Jungs natürlich trotz des Verbotes unsrer Mütter mitten drin. Sicher werde ich auch vieles verdrängt haben oder einfach psychisch zugeschüttet. Ist wohl auch besser so. Mein Wunsch an meine und eigentlich alle Nachkommen so ein Grauen nie zu erleben. Wie schon gesagt …

Da war noch was, aber wo ist es geblieben ? Ach ja, eine Mutter mit Kinderwagen, im Frühjahr 45, hatte einen weißen Mantel an ! Ein Wahnsinn, sie konnte natürlich von den Jabos nicht übersehen werden. Auf der heutigen B 58, oder galt der Angriff den Wehrmachtsfahrzeugen die dort ständig unterwegs waren ?

Bei uns war ein Gleis der Werksbahn, die auch von der Armee genutzt wurde. Da kamen dann die Tankwagen vom damals noch bestehenden Bahnhof her, die dann bei uns umgefüllt wurden in Fässer und Kanister. Es roch immer nach Benzin, das da nichts passiert ist, deucht mir heute noch ein Wunder. Die Fässer wurden dann mit Lkw´s nach Lembeck gefahrenzu einem Depot. Mein Bruder durfte immer mitfahren, meist als „Looky Lucky“ auf dem Beobachtungsplatz auf dem Kotflügel, wo ein Sitz angebracht war. Hat unsere Muter was gemerkt ? Sicher wohl, doch erinnere ich mich nicht an eine Bestrafung.

Was kommt denn noch ? Ja natürlich, da war eine Vierlingsflak zur Fliegerabwehr neben unserem Haus. Wie oft davon geschossen wurde ? Keine Ahnung. Wir Knaben waren heiß auf die Kartuschen (Hülsen) aus Messing, glänzten sie doch so schön. Aber die mußten ja wieder recycelt werden. Das gehörte wie so manches zur Wiederverwertung von Rohstoffen wie Glas, Papier, Alteisen etc. . Ist also keine so neue Einrichtung.

– wird fortgesetzt –

Schermbeck 1945 – Teil IV –

von Hermann Lewerenz Wesel, Oktober 2007

Wie Du sicher merkst, ist das Geschriebene nicht temporal exakt gegliedert, sondern so, wie es mir aus meinem „Gehirnkasterl“ rausgelassen wurde.

(Mal eine Anmerkung des Admins und Schreibers: Ich schreibe diese 15seitigen (!) Erinnerungen auch genau so ab, wie sie hier auf dem Papier, vor mir liegend, stehen. Und ich mag gar nicht daran denken was der Autor damals so mitgemacht hat. Diese 15 Seiten sind an einem Wochenende entstanden !Ich gab den Anstoss an einem Freitag nachmittag, bekam die erste Zwischenmeldung am Samstag morgen, die Fertigstellungsmeldung am Sonntag mittag – mir fehlten und fehlen auch jetzt noch die Worte.)

Am Ostertag hatten wir schönes Wetter, Bilderbuchwetter, wir Kinder sollten Eier suchen, schon Tage vorher rätselte man über die Farben. Bei uns war noch eine Russin die als Hilfsmagd arbeitete. Die wußte was von Zwiebelschalen in heißem Wasser, kurz drin war Gelb, lang im Wasser war ein helles Braun. Irgendeine von den „Horstkamp Mädchen“, die aus Spellen hierher evakuiert waren, wohl Verwandte (?) der Familie Friem, hatte eine kleine Flasche roter Tinte. Dann war da noch was mit Grün und Blau. Einige Zuckerbonbons waren irgendwie da. Dieses wurde nun versteckt, ein wahres Abenteuer das. Mein Bruder fand sie unter einer Grassode ! Na ja, Eier hatten wir ja noch, im Tausch gegen Zucker und Graubrot aus der Rationierung die so langsam wieder in Gang kam.

Und immer noch das Getöse der Bomber über uns. Der Ruhrkessel war ja nun schon geknackt, was wollten die da noch zerschlagen ? Die Jeeps der MP fuhren sehr oft auf die Höfe um nach „Nazis“ zu suchen. Was wußten wir schon von“Nazis“ ? Auch kamen die GI´s wohl auch nach frischer Milch und frischen Eiern zu fragen. Sie waren das Pulverzeug wohl leid, wie ich aus einem der Bücher vierzig Jahre später von Simmel entnahm. Da schnappten wir nach und nach einige Brocken Englisch auf.

Und immer noch die fliegenden Festungen mit ihrem nervtötenden Gedröhne über uns, flogen die weiter bis Russland ? So wurden wenigstens die Gerüchte zu uns getragen. Dann kamen öfters die Russen und Polen um zu plündern, öfters war´s wohl sehr haarig. Vor allem für die jungen Mütter und Mädchen. Aber da hatten wir dann Oma Friem, so um die 70 – 80 Jahre alt, erfahren durch drei Kriege, 70-71, 14-18, die Unruhen des Kapp-Putsches oder der Spartakistenhorden nach der Novemberrevolution, die wußte alles zu regeln. „Alles reine Nervensache, nee ?“ Die alte Dame hatte uns alle ganz schön unter Fuchtel.

Am 1.Mai 45 flatterte schon eine rote Fahne von dem grösseren Schornstein. Am 6.Mai hatte Mutti Geburtstag, da konnten wir schon wieder eine kleine bunte Glasvase beim Gärtner Stricker kaufen. Mit einigen Tulpen ! Mann, machten wir Wege zu Fuss ! Fahrräder gab es damals nicht, alle geklaut. Später fanden wir die Reste dieser und bastelten neue daraus, recht abenteuerlich bereift, mit Gartenschläuchen oder Treibriemen von Autos. Die fuhren ja noch nicht wieder herum alle beschlagnahmt.

– wird fortgesetzt –

Gliders landing

gliders_landing.jpg

Landing ?

Das waren eher mühsam gesteuerte Abstürze in eine Landezone, in der schon jede Menge von den Seglern rumlagen. Man kann sich den Bruch und die vielen Toten dabei wohl vorstellen, wenn sie nicht vorher schon von den Flak´s und Maschinengewehrnestern „runtergeholt“ wurden. Man soll sich bitte nicht vorstellen, das es hier keine deutschen Soldaten mehr gab. Wenn auch durchaus in Auflösung begriffen „wehrten“ sich die letzen lange und zäh. Sehr auch zum Verhängnis der armen „Schweine“, die an ihren Fallschirmen runterkamen. Das hat dann auch den besonderen Groll der Alliierten ausgemacht, die beim Aufspüren einiger dieser Nester überlieferterweise keine Gefangenen mehr gemacht haben.

Schermbeck 1945 – Teil III –

von Hermann Lewerenz

Wesel, Oktober 2007

Schnell wird auch unser Hof besetzt, selbst im Hühnerstall wurde nach unseren Jungens gesucht. Alles, was nach Bewaffnung aussah, wurde rigoros zerbrochen, selbst die unschuldigen Holzgewehre von dem Schützenverein „Bricht“. Musste schon eine Menge „Schiss“ haben, die Jungens aus L.A., Oklahoma, Texas oder New York, vor den „Nazis“. Bei uns wurden alle Nachbarn zusammengetrieben, wohl so 50 oder 60 Leute, von MP Leuten, alle bewaffnet.

Eigentlich nette Leute, diese „Feinde“ ! Das erste Englisch was ich hörte war: „Oh, in this house is a Baby!“ Die waren ganz rattig nach unserer kleinen Renate. War ja auch ein Wonneproppen. Sie schrie auch gar nicht so wie Erika die immer sehr zerrechlich wirkte und oft ihre Nahrung nicht bei sich behalten konnte. Ob sie sich im Mutterleib auf diese doch sehr fiese Zeit vorbereitet hatte ? Ob so ein Embryo mehr mitbekommt als wir alle so denken ?

Ach so ja, im Haus wohnten wir dann mit vier Familien, davon zehn (!) Kinder und so acht bis neun Erwachsenen. Die mussten alle essen ! Milch war ja da, Eier und Kartoffeln sowie Dörrgemüse, Sauerkraut, Schnibbelbohnen, Mehl, Grütze. Die lebensmittelmarken wurden zusammen verwaltet. Irgendwie klappte es ja auch eine zeitlang, dann begannen aber auch die ersten Reibereien in der Enge des Zusammenseins. Wie sat man heute ? „Zickenalarm“ ?

Die Amerikaner und Kanadier rochen so anders als unsere, waren ja wohl auch besser genährt, irgendwie auch sauberer. Da hab ich auch zum ersten Male Kaugummi kennengelernt. Unsere sehr zarte Annemarie, mit Ihren goldenen Locken, war „everybodys“ Liebling. Sie bekam den ersten. Natürlich schluckte sie ihn herunter. Mit Engelsgeduld versuchte der GI ihr es beizubringen. Irgendwann konnten wir es alle.

Und immer noch wälzte sich der Herrwurm der Alliierten den Waldweg entlang über uns am Himmel das Dröhnen der Bomber. Was wollten die denn noch zerstören ? War denn nicht schon alles umgepflügt ? So wie bei uns wird es wohl überall gewesen sein. Und endlich ein wenig freier atmen zu können. Ohne Angst vor dem Terror und psychischem Druck ! Selbst ich als achtjähriger spürte es. Mit acht und immer noch gespeichert, wie kann das ? Ich glaube der liebe Jörg hat das wohl alles losgekitztelt. Nun ja, ich werde noch einiges zu erzählen haben.

Was noch so da ist, im Speicher: Überall lagen die Trümmer und Hinterlassenschaften einer total geschlagenen Armee (Armeen (?), waren es doch noch etwa zehn Millionen (!) arme, geschlagene, von den „Propheten“ der Nation, dem „Heilbringer des tausendjährigen Reiches“ das nun nach schon nur 13 Jahren des Wahnsinns ins absolute Chaos geführte war,) herum. Für uns neugierige Knaben zu verführerischem Spielzeug mutiert, das gar manchen in den Tod riss oder blind werden lies. Aber die Vorsicht lies uns manche Sache heil überstehen, da die jungen Sodaten, die oft noch Teenies waren, uns die Funktion der „Riesenspielzeuge“ ja exakt erklärt hatten. Waren es nun Pistolen, Karabiner, Handgranaten, Panzerfäuste, ja selbst die großen Kartuschen der großen Feldgeschütze, wir acht bis zehnjährigen wußten meist genau wie man damit umzugehen hatte. Die amerikanischen Soldaten, auch noch wohl oft sehr jung, fragten uns sogar manchmal, welchen Unsinn man damit wohl machen konnte. Nun, wir zeigten es Ihnen, zwiespältig oft, da ja selbst uns kleinen eingeimpft war dass sie ja unsere „Feinde und Besieger“ waren. Hat uns manchal eine „Maulschelle“ oder Tracht Prügel eingebracht, aber Besserung ? Nee !

Die Versuchung war ja nun da, jeden Tag, überall. Jeder von unserem „Rudel“ in Schermbeck wusste zudem mal wieder was neues, wie man zum Beispiel mit Handgranaten im Teich fischen konnte. Anstatt das der von den überall herumstreunenden Zivilgefangenen, die nun frei, dem Joch der Sklaverei entronnen, geplündert wurde. So manches Mädchen, daß nicht auf der Hut war verlor auch so Ihre Unschuld. Ich erinnere mich der Dramen danach. In manchen Familien, zumal noch „überchristlich“ eingestellt waren die armen Dinger „der Sünde verfallen“. War für Leute ! So manch ein Suizid, am Strick, im Wasser, mit Gift hat da stattgefunden, oft totgeschwiegen. Oder es war nur ein Wispern zu hören, öfters auch üble offene Nachreden. Musste denn diese Menschen auch oft alles noch grausamer machen ? Manches haben wir Kinder auch gar nicht mitbekommen, man stoppte jedes Gespräch wenn die ernsten Themen im Gange waren bei unserem kommen.

Und plötzlich waren die Kirchen wieder voll, sie waren ja niemals dabei, damals, 1933, als sie ihre Kreuzchen auf dem Stimmzettel gemacht haben. Wo waren die Abzeichen, Uniformen, Ehrenurkunden wohl hingekommen ? Muss ich dir, Jörg, wohl auch nicht erzählen. Ich weiss nur noch, daß da ein Ruinengrundstück an der Kirchstrasse war. Da stand irgendwie die „Judenschule“. Muss damals ganz voll gewesen sein, diese Gasse, als die Brände in das Gebäude geschleudert wurden. Was wußten wir Kinder von diesen Machenschaften, obwohl uns die Propaganda stets berieselte, durchs Radio, in den Zeitungen. Trotzdem, den Atheismus in unser kleines Dorf zu bringen war Berlin nicht möglich ! Hat wohl der „Löwe von Münster“, Graf von Gahlen, damals Bischof und eine „Stimme in der Wüste“ viel geleistet ! Schermbeck hat zu diesem Bistum, das war Münsterland, gehört. Tapfer dieser Mann. Für mich und mein Gefühl einer der ehrlichsten Christen überhaupt, so mutig …

– wird fortgesetzt –

Schermbeck 1945 – Teil II –

von Hermann Lewerenz

Wesel, Oktober 2007

Dann, am 23. März, flog von so einem Geschwader so ein Rauchzeichen über Schermbeck herunter. Kurze Zeit später kam der erste Angriff, dann der zweite. Unser kleines Dorf auch platt und das Inferno der Flammen. Wir hatten Ostwind und der trieb uns die Rußpartikel, zu Asche verbranntes Papier und vor allem den grauenvollen Geruch von verbranntem Fleisch zu. Ich weiß nicht genau wie viele Leute umkamen. Von zwei Bekannten weiß ich jetzt, da mir Friedel Stricker, ein Heimatforscher, Auskunft gab. Und von einigen Soldaten und von den „Hiwis“, Russen zumeist. Und natürlich auch jede Menge Vieh, da unser Dorf ein „Acker – Bürger Dorf“ war.

Und, so ich erinnere, doch eine Reihe von Familien, einige Kühe, vielleicht ein Pferd sowie Klein- und Federvieh. Zum Teil kenn ich sie sogar noch mit Namen: Küpper, Rittmann-Paschen, Ridder, Prinne. Also so einigermaßen noch visuell in mir gespeichert, wie man heute so schön sagt. Zum Teil waren es Selbstversorger mit größeren oder kleineren Acker- und Wiesenflächen.

Nachts am 23. März, wurden wir, Mutter und 5 1/2 Kinder von der Ziegelei zu einem Bauernhof in Bricht zu einer befreundeten Familie mit dem nötigsten gebracht. Es war die Nacht der Rhine Occupation der Amis, Engländer und Kandier. Die am unteren Niederrhein über unseren „Schicksals-Strom“ mit unvergleichlich hohem Materialaufwand und dem Dauerbeschuss von, dem sagen nach, 6 – 7 tausend (!) Geschützen, jeder Menge von Flugzeugunterstützung sowie unzähligen Lastenseglern den Angriff begannen.

Welch Einsatz !

Ich weiss es deshalb so genau, weil in jener Nacht unsere Renate geboren wurde, unsere Jüngste im 6er Reigen. Wie hatte Mutti das alles nur bewältigt ?

An den Tagen danach drangen die Gefechte in Bricht und im Weseler Wald mit viel Getöse zu uns herüber. Wir waren fast nur im Keller, einige Landser waren bei uns und, so erinnere ich mich, ließen verlauten was zu tun sei. Bloss dableiben, eine weiße Fahne (Bettlaken) an einer Bohnenstange aus der westlichen Dachluke zeigen. Außerdem eine Liste aller Bewohner mit Namen, Geburtstag und so (Beruf wohl auch) sichtbar an einer Tür anbringen. Dann war bei uns ein verwundeter Landser mit Bauchschuss im Keller, der auch sagte, daß wir uns ruhig verhalten sollen und den Besatzern, eben dem Feind, ruhig alle Fragen beantworten sollen. Das meiste wüßten die ja sowieso.

Dann am Tage, endlose Schlangen unserer geschlagenen Jungens, eine graue Masse, fast Geisterhaft still, fast wie Geister schien es mir. Vielleicht war auch die niedergedrückte Stimmung der Grund dafür. Ab und zu war in der grauen Masse ein Sani-Auto, ein Transporter zu sehen, endlos lang erschien es mir. Wo kamen die bloß alle her, auf dem schmalen Waldweg ? (So heißt er heute immer noch, inzwischen asphaltiert, damals ein Wirtschaftsweg, rot von den Ziegelscherben mit denen er befestigt war) Danach gespenstige Stille, nur unterbrochen von dem „Gemuhe“ der Kühe, dem Gegackere der Hühner und dem Schnattern der Gänse !

Und dann kamen Sie, unsere Befreier, der Himmel schwarz (oder besser silbern) von den zwei- und viermotorigen Bombern, begleitet von den Spitfires der Briten und Jagdbomber der Yankies, Mustangs wohl. Auf dem Weg die Shermans als Speerspitze, ss dröhnte nur so, danach Fahrzeug um Fahrzeug, in olivgrün mit dem weißen Stern (im Kreis ? ich weiß es nicht mehr genau). Stundenlang ! Der typische Abgasgeruch schwebte über uns alle, so ganz anders als der beißende Geruch der Holzvergaser dazwischen die GI´s mit dem Sturmgewehr in der Armbeuge, nach allen Seiten sichernd.

– wird fortgesetzt –

Schermbeck 1945 – Teil I –

von Hermann Lewerenz

Wesel, Oktober 2007

Da treffe ich mich mit Joerg Liebe, der mich fragt, ob ich mich an noch was erinnere, 1945 und so. Wir hatten mal darüber gesprochen, was so los war im Frühjahr damals, in den Wirren und Schrecken. Er hat wohl durch seinen Vater von den Ereignissen erfahren, damals, 1945 im Frühjahr.

Schönes Wetter war, die „Jabos“, amerikanische „Mustangs“, machten Jagd auf alles, was sich bewegte. Meine Mutter, die uns immer warnte, wenn wir die auch nur von Ferne hörten, in Deckung zu gehen, war damals im 9. Monat schwanger mit meiner jüngsten Schwester. Außerdem waren da noch 5 Kinder, Vater war „im Feld“ wie man damals so sagte. Wir älteren, mein Bruder Dietmar und ich, waren mit eingebunden was so die Versorgung der Familie betraf. Hühner füttern, Kaninchen und Gänse versorgen, das Schwein mußte auch versorgt werden alles so selbstverständlich von uns erwartet und auch getan. Ob immer willig oder nicht weiß ich nicht mehr so genau.

Wir wohnten an der heutigen Ziegelei Nelskamp in Schermbeck, die auch ab und zu Ziel dieser fliegenden Pest war. Sonntags machten die Piloten sich anscheinend immer einen Sport daraus, die Schornsteine mit ihren Raketen-Bomben umzulegen, was nur selten gelang. War eben sehr stabil gebaut das Gemäuer. Aber Schiss hatten wir alle Male vor diesen Fliegern.

Einmal, 1. Januar 1945, lag ein bisschen Schnee. Wir holten natürlich unsere Schlitten raus und rodelten von so einer schiefen Ebene. Die wir zusätzlich noch, mit allem Schnee den wir greifen konnten, „aufgemotzt“ hatten. Plötzlich schrie einer „Deckung, Jabos“ ! Wir ab in den nächsten Graben oder in eines der Einmannlöcher, da knatterte auch schon die „Sch….“ aus den Bordkanonen auf uns runter. Zwei oder drei dieser Raketen-Bomben flogen uns auch um die Ohren und krachten in nächster Nähe ein. Mann, was hatten wir Schiss. Noch heute weiss ich wie der roch, der Sprengstoff. Die Fetzen flogen nur so um uns herum. Passiert ? Wir waren alle noch heil. Nur ein Schaf hatte es erwischt. Uns aber zitterte alle Knochen und es war uns schlecht. Einer schrie „Mama, die sind alle kaputt! Hilfe Hilfe Mein Gott im Himmel, warum dürfen die dat ?“ Manfred Spahn war das. Unsere Mutter, mit ihrem prallen Babybauch, kam auf uns zugerannt und klatschte uns erstmal eine „Watschen“ um uns dann in den Arm zu nehmen. Was hatten die Mütter damals zu ertragen. Erst heute weiß ich, wer die Helden dieser grauenvollen Zeit waren.

Schule ? Gab es noch provisorisch, zum Teil auch gar nicht mehr.

Tag und Nacht die englischen und amerikanischen Bomber, hunderte, tausende, in großer Höhe in riesigen Formationen. Ab und zu wurde einer mal abgeschossen und stürzte mit wildem Heulen herunter um auf den Feldern oder in den Forsten zu zerbersten. Wobei die Bombenlast natürlich hochging. Im Februar 1945 die Angriffe auf Wesel und Dorsten, selbst bei uns gingen viele Scheiben entzwei. Wesel und Dorsten waren platt, im nahen Ruhrgebiet wohl auch alles.

– wird fortgesetzt –

Operation Plunder & Varsity


„Die Operation Plunder war eine während des Zweiten Weltkriegs durch britische, kanadische und US-amerikanische Truppen durchgeführte Überquerung des Rheins zwischen Emmerich am Rhein und Wesel. Der Hauptangriff erfolgte im britischen Abschnitt zwischen Wesel und Rees. Die Operation, an der 29 Divisionen beteiligt waren, beinhaltete neben der Operation Archway die Operation Varsity. Die Rheinüberquerung nördlich des Ruhrgebiets bildete zusammen mit dem amerikanischen Überschreiten des Rheins bei Remagen die Grundlage des Ruhrkessels.

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Rhine Glider prepairing

Vorbereitung zum Start der Lastensegler.

Teilweise hingen auch zwei Lastensegler hinter einer Schleppmaschine.

Achten Sie mal auf den Schriftzug am hinteren Lastensegler.

„Sad but true“ – „Traurig aber wahr“

Autoren gesucht !

Guten Tag zusammen !

Für dieses Blog suche ich noch den ein oder anderen Autoren, der den Übergang in unserer Gegend noch erlebt hat, sei es als Erwachsener, Halbwüchsiger oder Kind.

Wer kennt noch Geschichten von den Großeltern, Tanten oder Onkels ?

Und wer hat Lust zu schreiben ?

Ich bin über das Kontaktformular im Impressum zu erreichen.

Geben Sie mir bitte eine kurze Nachricht, ich setze mich dann per eMail mit Ihnen in Verbindung.

Danke !!

Lineup C 47

Das Header-Bild – das erste in einer Reihenfolge die nun von Zeit zu

Zeit lose folgt.

Douglas C 47 – Dakota, die Militärversion der legendären DC 3,

wurde im Krieg gerne als Transporter und Schleppflugzeug eingesetzt.

Hier abgebildet kurz vor der Startaufstellung um die Lastensegler

an´s Tau zu nehmen.